Ein Rollladengurt kündigt seinen Verschleiß selten mit einem großen Knall an. Meist werden erst die Kanten fusselig, dann läuft der Gurt schwerer durch die Führung, und irgendwann bleibt beim Hochziehen ein dünner Streifen Stoff in der Hand. Wer in diesem Moment nicht weiterzieht, erspart sich oft eine hakelige Reparatur mit einem halb geöffneten Rollladen. Der Austausch ist bei einem handbetriebenen Rollladen gut selbst zu machen – sofern man den Gurtwickler und die Feder darin mit Respekt behandelt.
Bevor ich mit Werkzeug anrücke, schaue ich mir an, wo der Gurt läuft und wie er befestigt ist. Bei manchen Fenstern sitzt der Wickler sichtbar auf der Wand, bei anderen ist er in eine Unterputzdose eingelassen. Oben verschwindet der Gurt hinter dem Rollladenkasten und ist dort an der Welle oder an einer Gurtscheibe befestigt. Diese Bauart ist für die Anleitung entscheidend. Ein motorisierter Rollladen ist etwas anderes: Dort darf man nicht einfach am Gurt ziehen oder den Kasten öffnen, ohne den Antrieb fachgerecht stillzulegen.
Erst prüfen, was tatsächlich ersetzt werden muss
Ein Gurt, der ausgefranst ist, sich verfärbt oder an den Rändern ausdünnt, gehört ausgetauscht. Läuft er dagegen nur schief, liegt die Ursache manchmal an einer verdrehten Führung oder einer beschädigten Umlenkrolle. Ein neuer Gurt löst das nicht dauerhaft. Achte deshalb beim Hoch- und Herunterlassen darauf, ob er sauber durch die Führung läuft und ob der Rollladen gleichmäßig bewegt wird. Schleifende Geräusche, schief stehende Lamellen oder eine Welle, die sichtbar unrund läuft, sprechen für ein zusätzliches Problem.
Miss die Breite des alten Gurts an einer unbeschädigten Stelle. Häufig sind es 14 oder 23 Millimeter, doch die vorhandene Führung und die Gurtscheibe geben die passende Breite vor. Ist der Gurt zu breit, läuft er nicht sauber; ist er zu schmal, kann er seitlich verrutschen. Für die Länge ist der alte Gurt ein brauchbarer Anhaltspunkt, solange er nicht stark gedehnt oder gekürzt wurde. Die oft genannte Faustregel von etwa zweieinhalbmal der Rollladenhöhe ist nur eine grobe Orientierung. Bei hohen Fenstern, mehreren Umlenkungen oder einem ungewöhnlichen Wickler kann sie danebenliegen.
Lege außerdem einen Schraubendreher, eine Schere und gegebenenfalls eine kleine Zange bereit. Eine helfende Hand ist angenehm, aber nicht zwingend nötig. Wichtig ist, dass du den neuen Gurt erst dann auf die endgültige Länge bringst, wenn der Laufweg und die Befestigung klar sind. Zu kurz abgeschnitten ist er schnell; ein paar Zentimeter Reserve lassen sich später noch sauber korrigieren.
Den Rollladen in eine sichere Ausgangslage bringen
Fahre den Rollladen vollständig herunter, bis der Behang auf der Fensterbank oder dem unteren Anschlag aufliegt. So ist er nicht in der Luft, während du am Gurt arbeitest. Falls der Gurt noch hält, ziehe ihn langsam und ohne Ruck. Bei einem angerissenen Gurt kann es sinnvoll sein, den Behang zu zweit abzulassen: Eine Person führt den Gurt, die andere achtet darauf, dass der Rollladen nicht schief in den Führungsschienen hängen bleibt.
Bei einem elektrischen Antrieb gilt: nicht am Gurt ziehen und den Antrieb nicht während der Arbeit betätigen. Ein Rollladen mit Motor braucht eine andere Vorgehensweise als ein rein mechanisches Modell. Wenn du nicht sicher feststellen kannst, ob der Gurt noch mit einem Antrieb oder einer besonderen Sicherung verbunden ist, brich lieber ab, bevor du etwas löst.
Öffne nun den Gurtwickler. Bei einem Aufputzmodell lässt sich die Abdeckung meist abschrauben; bei einem Unterputzwickler wird die Blende abgenommen und der Wickler vorsichtig aus der Wand gezogen. Die Feder darin steht unter Spannung. Den Federkasten nicht öffnen. Halte die Trommel fest, sobald die Abdeckung ab ist, und lass sie nicht unkontrolliert zurückschnellen. Eine kleine Feder kann kräftig genug sein, um Finger zu verletzen oder die Trommel zu beschädigen.
Den alten Gurt lösen, ohne die Feder freizugeben
Mach ein Foto von der Führung und der Befestigung, bevor du etwas löst. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber beim späteren Einfädeln nützlich, besonders wenn der Gurt hinter einer Blende verschwindet. Achte darauf, in welche Richtung er auf die Trommel gewickelt ist. Ein falsch herum eingelegter Gurt kann sich beim ersten Hochziehen verkanten oder die Rückholfeder falsch belasten.
Am unteren Wickler wird der Gurt gewöhnlich durch einen Schlitz oder eine kleine Schraube gehalten. Halte die Trommel mit der Hand fest und nimm den Gurt aus der Befestigung. Wenn du den Wickler wiederverwenden möchtest, darf die Feder nicht frei zurücklaufen. Bei vielen Modellen gibt es eine Arretierung oder einen Sicherungsstift. Fehlt eine solche Sicherung und lässt sich die Trommel nicht kontrolliert halten, ist der Austausch des kompletten Wicklers oft die vernünftigere Lösung. Die Feder einzeln zu spannen oder den geschlossenen Federkasten aufzuschrauben, ist kein sinnvoller Abkürzungsweg.
Oben öffnest du den Rollladenkasten nur so weit wie nötig. Je nach Modell wird der Gurt an einer Gurtscheibe durch eine Öffnung gesteckt und dort eingehängt oder verschraubt. Halte die Scheibe fest, während du den alten Gurt löst. Bei vollständig geschlossenem Rollladen ist der Zug normalerweise gering, trotzdem kann sich die Welle bewegen. Wenn sich die Scheibe stark dreht oder der Behang nicht sicher aufliegt, nicht mit den Fingern in den Kasten greifen und die Ursache erst prüfen.
Den neuen Gurt einziehen und befestigen
Führe den neuen Gurt zuerst durch die obere Führung und anschließend durch die Gurtführung an der Wand. Er darf dabei nicht verdreht sein. Richte die Vorderseite so aus, dass der Gurt später glatt durch die Öffnung läuft. Beim Befestigen an der Gurtscheibe verwendest du die vorhandene Art der Verbindung. Bei manchen Scheiben wird ein vorbereitetes Loch eingehängt, andere haben eine Schraube oder einen Schlitz. Ein Knoten ist kein guter Ersatz: Er kann auftragen, an der Führung hängen bleiben und die Wicklung ungleichmäßig machen.
Wickle den Gurt in der vorgesehenen Richtung auf die Gurtscheibe. Er sollte in einer sauberen Lage liegen und nicht über den Rand springen. Ein wenig seitlicher Spielraum ist normal; kreuzt sich der Gurt oder wandert er aus der Führung, stimmt meist die Laufrichtung nicht oder die Befestigung sitzt schief. Prüfe das, solange der Kasten noch offen ist – später ist es deutlich mühsamer.
Am unteren Wickler wird der Gurt durch den Schlitz geführt und nach Herstellerangabe befestigt. Bei einem neuen Wickler ist die Trommel oft bereits vorgespannt und mit einem Sicherungsclip gehalten. Der Clip wird erst entfernt, wenn Gurt und Befestigung sitzen; die Trommel muss dabei festgehalten werden. Verwendest du den alten Wickler weiter, folge der Bauart des konkreten Modells. Nicht jeder lässt sich auf dieselbe Weise spannen. Die Feder soll den Gurt einziehen, nicht ruckartig zurückschlagen. Wenn du die Trommel nicht sicher kontrollieren kannst, nimm einen passenden neuen Wickler oder lass diesen Arbeitsschritt erledigen.
Zieh den Gurt am Ende nur so weit heraus, dass er bei vollständig heruntergelassenem Rollladen noch korrekt im Wickler sitzt. Kürze überstehendes Material erst, wenn der Lauf geprüft ist. Bei einem synthetischen Gurt solltest du das Ende nicht einfach mit einem Feuerzeug verschmelzen: Dabei kann das Material verkohlen oder die Führung später verschmutzen. Nutze stattdessen die vorgesehene Lochung oder Befestigung des Wicklers.
Ein vorsichtiger Probelauf sagt mehr als ein Blick
Bevor du den Rollladenkasten schließt, bewege den Behang langsam ein kurzes Stück nach oben und wieder nach unten. Der Gurt muss sich gleichmäßig auf- und abwickeln. Achte besonders auf ein seitliches Wandern, Knicke und ungewöhnliche Geräusche. Danach lässt du den Rollladen einmal ganz hoch und wieder ganz herunter. Ein gleichmäßiger Lauf ohne Ruckeln ist ein besseres Zeichen als eine straff gespannte Feder allein.
Wenn der Gurt schlaff bleibt, kann die Vorspannung des Wicklers fehlen oder die Befestigung nicht greifen. Zieht er sich zu heftig ein, ist die Feder möglicherweise zu stark gespannt. Verstelle dann nicht blind weiter, sondern schau dir die Anleitung des Wicklermodells an. Auch ein Rollladen, der an einer Seite hängen bleibt, sollte nicht mit zusätzlichem Zug am Gurt „überredet“ werden. Dahinter können beschädigte Lamellen, eine verschobene Welle oder ein Problem in der Führung stecken.
Schließe die Abdeckungen erst, wenn der Probelauf passt. Dabei dürfen keine Gurtteile eingeklemmt werden; die Blende soll bündig sitzen und die Führung frei bleiben. Bei einem alten, spröden Gurtwickler lohnt es sich, die Befestigung in der Wand ebenfalls zu prüfen. Ein sauber eingesetzter Gurt hält wenig aus, wenn die Dose wackelt oder die Trommel bereits ausgeschlagen ist.
Wann ein neuer Gurt nicht mehr die ganze Reparatur ist
Ein einfacher Gurtwechsel dauert bei einem gut zugänglichen, mechanischen Rollladen oft weniger als eine Stunde. Deutlich länger wird es, wenn der Rollladenkasten verkleidet ist, die Befestigung oben nicht sichtbar ist oder der Behang schief läuft. Dann ist es besser, nicht mit Gewalt weiterzuarbeiten. Ein Gurt kann verschleißen, weil er an einer scharfen Kante reibt; bleibt diese Kante bestehen, ist auch der neue nach kurzer Zeit wieder beschädigt.
Wenn du vor dem geöffneten Wickler stehst, geht es nicht darum, möglichst schnell fertig zu werden. Ein Moment zum Prüfen der Laufrichtung und der Feder spart meist mehr Zeit, als er kostet. Der neue Gurt soll im Alltag kaum auffallen: Er läuft leicht, liegt sauber in der Führung und erinnert nicht bei jedem Hochziehen daran, dass sich im Rollladenkasten noch etwas verhakt.

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